Thomas Maurer im Interview
von Aron SaringerAm 3. Juni sprach Thomas Maurer nach seinem Auftritt mit dem Programm „Menschenfreund“ im Bühnenwirtshaus Juster mit uns über seine eher verkorkste Schullaufbahn, seinen Werdegang als Kabarettisten und über die schlechten Chancen von ÖVP-Generalsekretär Lopatka als Komiker.
DasKONZEPT: Wie sind Sie zum Kabarett gekommen?Thomas Maurer: Jo, des is a schon länger her und war eigentlich ein Zufall. Ich war Schulabbrecher, da ich disziplinäre Schwierigkeiten bekam. Eigentlich habe ich nie mit dem Gedanken gespielt, Kabarettist zu werden, ich hab auch nie in der Schule Theater gespielt oder irgendetwas in diese Richtung gemacht. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass man so etwas überhaupt werden kann. Ich bin jedoch in einer Phase, in der ich schon von der Schule geflogen war und genug Zeit hatte, jeden Blödsinn mitzumachen zufällig am Kabarett Niedermeier vorbeigekommen, wo gerade ein Nachwuchswettbewerb ausgeschrieben war. Und in jugendlicher Selbstüberschätzung und mit zwei, drei Bier im Schädl hob ich ma dann gedacht: Des moch i a. Dann hob i mi angemeldet und die haben die Nominierung entgegengenommen und dann hob i ma schnell wos ausdenken müssen. Am Anfang bin i eigentlich ohne Text auf die Bühne gegangen, oba dann hams mich dazu gedrängt, ob i des ned weitermachen will. Dann hab i nach und nach die Leute in der Szene kennen gelernt und hob gemerkt, dass mir des goa ned so schlecht liegt. I bin sogar a bissl gezwungen worden zu meinem ersten Programm.
Glauben Sie, dass das der typische Weg für einen Nachwuchskabarettisten ist?
I glaub, die meisten haben des a bissl gezielter vor, i bin wirklich fast a bissl zu meinem Glück getragen worden. Des wär heute wohl nimmermehr so leicht.
Es gibt also schon auch gezielte Ausbildungen dafür, Schauspiel zum Beispiel?
Des is ned unbedingt gesogt. Es gibt Leute, die kommen vom Schauspielen, aber das heißt nicht unbedingt, dass ein guter Schauspieler auch ein guter Kabarettist sein muss. I persönlich finds ja am interessantesten, wenn die Leute Sachen spielen, die sie selbst geschrieben haben. I glaub des Spannende daran ist ja diese besondere Subjektivität, darum finde ich Soloprojekte auch meistens spannender als irgendwelche Sammelgeschichten. Es finden sich einfach selten mehrere zusammen, bei denen es so einen Groove hat, dass dabei was Unverwechselbares entsteht. Gerade bei diesem Programm spiele ich doch sehr gerne damit an der Grenze zwischen Theater und Realität entlangzugehen. Gerade bei Soloprojekten weiß man nie genau: Wie is der wirklich? Was ist Meinung, was ist Rolle? Was is dazwischen? Du bist als Zuschauer a bissl mehr gefordert.
Gibt es unter den Kabarettisten eigentlich so etwas wie Konkurrenzkampf? Ist es mehr ein Miteinander oder eher ein Gegeneinander?
Es is viel nebeneinander, wenig miteinander und kaum gegeneinander. Ich speziell hab mit sehr vielen verschiedenen Leuten zusammengearbeitet und des hat mir eigentlich immer taugt.
Warum ist Kabarett eigentlich meistens links?
Des is a gute Frage. I glaub des hängt letztlich damit zusammen, dass der satirische Witz im Kabarett immer etwas leicht Zersetzendes, Destruktives hat, was ja irgendwie auch typisch links ist. Noch dazu sind die Theorieverliebtheit, die es bei den Linken zumindest einmal gegeben hat, und das Identifizieren mit dem Schwächeren, wenn man es moralisch wertfrei betrachtet, handwerklich viel interessanter. I wüsste auch gar nicht, wie rechtes Kabarett ausschauen sollte. Vielleicht is des dann so was wie der Herr Lopatka, der 100 mal hintereinander sagt, Gusenbauer kann nicht wirtschaften. Natürlich kann ma des auch schliffiger und pfiffiger sagen, aber so richtig sympathisch und zugänglich wird’s ned.
Vielleicht gibt es in Österreich kein Publikum dafür?
Na jo, i glaub Österreich is schon a Land in dem die Leute mehrheitlich rechts und zwider san.
Dieses Programm ist allerdings auch wieder ziemlich links und politisch. Gibt es da keine Probleme?
I find des Programm is eher wieder ein Abgesang. Die letzten Programme, die sehr erfolgreich waren, haben mit der FPÖ zu tun gehabt und darum hob ich mir gedacht, ich schau mich mal wieder im eigenen Lager um. Durch diesen Befund mit ein paar linken Attitüden und in einem halbwegs glücklich bewältigten Alltag strauchelnd, bin i auch sehr schnell auf dieses Motiv Biedermeier gekommen. Damals war ja auch diese Grundangst spürbar, kurz vor der Industriellen Revolution. Die Leute habn glaub ich schon gerochen, dass in 20 Jahren kein Stein mehr dort liegen wird, wo er jetzt liegt. Ein ähnliches Grundgefühl hab ich hier auch.
Ist Ihnen jemals nach einem Auftritt gesagt worden, dass das jetzt zu weit ging?
I hob immer wieder probiert auch zu weit zu gehen. I hob auch ein, zwei Programme gehabt, bei denen ich im Vorhinein nicht gewusst habe, ob sich des ausgehen wird, oder ob ich den Bogen damit überspannt habe. Aber es war dann immer so, dass es zwar spannend war, sich aber doch immer ausgegangen ist.
Was ist für Sie selbst eigentlich interessanter: Bei einer Sendung wie „Was gibt es Neues?“ mitzuwirken oder einen Kabarettauftritt wie heute zu machen?
I hab in meiner Karriere eigentlich eh nie viel Fernsehen gemacht, auch aus dem Grund, weil mir nie viel angeboten wurde. „Was gibt es Neues?“ is a lustige Sendung, deswegen hob i kein blödes Gefühl, wenn ich da mitmache. Mehr als lustig is es ned, aber des is es immerhin. Es ist eigentlich eh ein ganz einfaches Prinzip, so wie Wirtshausschmähfian. Mich erinnert es ganz stark an meine Schulzeit: wenn dir was Lustiges einfällt, dann schreist es ausa. In der Schule hat des zu einem baldigen Ende meiner Karriere geführt und dort krieg i jetzt a Geld dafür. Außerdem erlangt man durch das Fernsehen einen Bekanntheitsgrad, den man durch Bühnenauftritte nie erreichen kann, leider muss man sagen. Mir hat dieses eine Jahr bei „Was gibt es Neues?“ an Breitenpopularität sicher mehr gebracht, als achtzehn Jahre harte Arbeit auf der Bühne. Nur solche Sachen würd i jetzt aber auch nicht machen wolln. Ich habs überhaupt gern, wenn ich Verschiedenes machen kann. I hob Theater gespielt, hob auch eher komische Dinge gemacht, i hob auch ein Filmdrehbuch kürzlich irgendwann fertiggestellt und i schreib meine Kolumnen. Das sind alles verschiedene Felder, was ich als ganz angenehm empfinde.









