Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

dredg - Leitmotif

von Benjamin Maier

dredg ist eine amerikanische experimentelle Alternative/Progressive-Band.
Sie wird 1995 in Los Gatos, Kalifornien, gegründet. Auf ihren ersten beiden EPs Conscious (1996) und Orph (1997) ist die Musik noch stark von Hardcore und Rap beeinflusst, wobei Orph schon deutlich mit dem Progressive Rock sympathisiert 1999 erscheint dann  Leitmotif. Noch im gleichen Jahr werden sie von einer Zeitung in Los Gatos zur Rockband Of The Year gekürt. Das Album wird 2001 erneut mit anderem Cover veröffentlicht. Darauf folgen 2002 El Cielo und 2005 Catch Without Arms.
Die Musik dieser Band ist sehr abwechslungsreich. Auf den Hörer wird keine Rücksicht genommen, die Musik nicht für den Massenmarkt produziert. Sie wandeln zwischen sphärischen, an Pink Floyd erinnernde Passagen, Hardcore-Riffs und jazzigen Instrumentals. Ihre Einzigartigkeit ist auch nicht zuletzt auf die sehr spezielle Stimme des Sängers zurückzuführen.
Dem Konzept von Leitmotif liegt eine Geschichte, die vom Bassisten geschrieben wurde, zugrunde. Diese ist im Booklet abgedruckt und die Songtexte zitieren immer wieder daraus.
Das Album erzählt die Geschichte eines Mannes, dem ein Geist erscheint, der ihm erklärt, dass er geistig erkrankt sei. Um geheilt zu werden, müsse er fünf verschiedene Kulturen bereisen, um dort ein Heilmittel für sein Leiden zu finden. Gelänge es ihm jedoch nicht, seine Reise erfolgreich zu beenden, müsse er sterben.Die Geschichte ist also das „Leitmotif“ des Albums, das daher so benannt wurde. Auf dem Album befinden sich, immer abwechselnd, 5 normale Lieder und 5  Movements, die jeweils einen Ortswechsel in der erzählten Geschichte beschreiben. Charakteristisch für das Album ist, dass die musikalischen Motive teilweise in mehreren Songs vorkommen, die sich, abhängig vom Aufenthaltsort des Protagonisten, verändern. Die Bandbreite reicht dabei von rockenden Jams über jazzige Passagen bis zu asiatisch angehauchten Melodien.
Das Album beginnt mit  (Symbol Song). Die ersten Zeilen lauten: He said: patience is the key to a change to ensue. Hier wird das Motiv der Veränderung deutlich, ausgedrückt durch das chinesische Symbol für Veränderung (der Lied“titel“). Das Lied wird durch ein Geräusch eingeleitet, das durch das schnelle Herumwirbeln eines so genannten spirit catchers entsteht. Es erzählt, was der Geist dem Protagonisten sagt: Er solle sich auf die Reise machen.
Das recht kurze instrumentale Movement I: @45°N 180°W leitet vom relativ harten Symbol Song ohne Pause zum nächsten Lied über.
Lechium beginnt mit einem längeren ruhigen Intro, das zum Ende hin recht hart im Klang wird. Das ganze Lied lebt von seinen ständigen Stimmungswechseln, die durch das Wechselspiel aus soft und hart zustande kommen. Auch der Gesang wird im Verlauf des Liedes immer härter, bis dieser schließlich sogar in Geschrei ausartet um dann wieder ein wenig sanfter zu werden. Der Song thematisiert die Krise, in der sich der Protagonist befindet.
Wieder leitet ein Zwischenstück - Movement II: Crosswind Minuet - zum nächsten Song über.
In Traversing Through The Arctic Cold We Search For The Spirit Of Yuta steht der instrumentale Teil im Vordergrund. Der Text des Liedes ist nicht bekannt und auch kaum zu verstehen. Es ist das einzige Lied, dass mit einer kurzen Pause endet.
Movement III: Lyndon ist als Instrumental zu betrachten. Es ist zwar der Gastsänger Gus Lyndon Farwell zu hören, allerdings dienen dessen wehleidige, elektronisch verzerrte Chants nur der Untermalung und spielen keine tragende Rolle.
Darauf folgt das wohl härteste Lied des Albums und der gesamten dredg-Diskographie.: Penguins In The Desert. Der Sänger lässt sich wieder zu aggressiven Shouts hinreißen, die auf den Folgealben zur Gänze fehlen. Aus thematischer Sicht hat der Protagnist sein Ziel immer noch nicht erreicht und ist verzweifelt.
Movement IV: RR macht dort weiter, wo Penguins In The Desert aufgehört hat und leitet wie die anderen Movements zum nächsten Lied über.
In Yatahaze entlädt sich die Spannung, die sich während des kompletten Albums aufgebaut hat.  Der Wechsel zwischen harten und ruhigen Passagen unterstreicht das Konzept des Albums. Man erfährt nicht, ob der Protagonist seine Heilung erfahren wird. Das folgende Zitat lässt dennoch erahnen, dass es nicht besonders gut um ihn steht: we’re hoping, and waitin we’re living, but dying while tring to find out my meaning isn’t planned out.
Das Album endet schließlich mit dem 20-MinüterMovement V: 90 Hour Sleep. Es ist noch einmal der spirit catcher zu hören. Nach minutenlanger vollkommener Stille folgt der „Hidden Track“, der von verwirrenden Geräuschen begleitet wird.
dredg liefern mit ihrem ersten Longplayer Leitmotif ein lupenreines Konzeptalbum ab, ein Debut, von dem viele Bands träumen. Das Grundthema des Wechsels der Hauptperson in religiöser Sicht wird in der Geschichte durch die Ortswechsel und in der Musik durch die Movements umgesetzt. Im Booklet und auf der Homepage der Band finden sich weitere Anspielungen auf das Thema in Form von Symbolen und Gemälden, die hauptsächlich vom Bassisten Drew Roulette gemalt wurden(der auch als Maler aktiv ist). dredg sind ein Unikat im Musikuniversum und Leitmotif sicherlich eines der besten Alben der letzten zehn Jahre.

dredg - Leitmotif - Bild