Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

Jonestown – Untergang einer Sekte

von Rosa Kainz

Groß stand es auf allen Titelblättern, der Massensuizid in Jonestown, Guyana. Anstifter war James Warren Jones, auch bekannt als Jim Jones. Tag des Geschehens war der 11.November 1978.

Jim Jones` Leben:

Er wurde am 13. Mai 1931 in Indiana geboren. Jones vertrat sehr liberale Ansichten über Bürgerrechte und war bei der Gleichberechtigung der Rassen sehr aktiv beteiligt. 1956 gründete er seine eigene Kirche, die er „Peoples Temple“ nannte. Jones hatte den Traum, eine perfekte Gemeinschaft zu gründen, ohne Gewalt und Hass. 1963 zog er mit ca. 150 Jüngern in den Ort Redwood Valley nahe San Francisco. Ende der 1960er wurde die Zahl der Jünger auf 400 Personen geschätzt. 1974 gründete er in Guyana die Siedlung mit dem Namen „Jonestown“. Diese wuchs bis 1978 auf ca. 1100 Anhänger an.

Die Sekte

Die Ideologie des „People's Temple“ beruht auf den Grundlagen der Pfingstbewegung. Das ist eine christliche Strömung, die das Wirken des Heiligen Geistes betont. Diese Bewegung wird mit den Elementen mancher Lehren wie von Karl Marx, Martin Luther King, Mahatma Gandhi oder sogar von Josef Stalin verbunden. Jim Jones wollte mit seiner Lehre, die aus Sozialisierung und christlichem Erlösungsglauben bestand, vor allem Bedürftige, Desorientierte oder als minderwertig Angesehene ansprechen. Da zu jener Zeit der Rassismus noch lange nicht überwunden war, schlossen sich Jim Jones sehr viele Schwarze an.
Doch aller Anfang ist schwer, so war es auch mit seiner Siedlung. Die Nahrungsmittel waren knapp, es brachen Diarrhoe- (Durchfall) und Fieberepidemien aus. Die Anhänger lebten wie eingesperrte Tiere, sie wurden von bewaffneten Wächtern bewacht und angebliche Straftäter wurden mit Elektroschocks traktiert. Die Kinder wurden zu schwersten physischen Arbeiten gezwungen von bis zu 11 Stunden pro Tag. Wenn sie nicht gehorchten, wurden auch sie in Kisten gesperrt oder ihnen wurden sogar die Zähne ausgeschlagen. Jim Jones wurde auch vorgeworfen, häufig an sexuellem Missbrauch von Frauen und Kindern beteiligt gewesen zu sein.
Anfänglich waren die Menschen in Jonestown noch sehr von ihrem Prediger überzeugt und nur wenige verließen die Gemeinschaft wieder. Jones` Traum von einer Welt, in der alle in Harmonie leben, verlief in der ersten Zeit noch nach Plan, bis Leo J. Ryan, ein US-amerikanischer Politiker und Vertreter der Demokraten, der schon früh eine ablehnende Stellung zu Sekten, unter anderem auch Scientology, bezog, auftauchte. Dieser Abgeordnete reiste mit einigen Journalisten nach Jonestown, um sich von den Gerüchten über Folterung und Missbrauch der Sekte zu überzeugen. Zuerst ließ Jones noch jene gehen, die gehen wollten, doch sie mussten versprechen, Schweigen zu bewahren. Doch nach dem aufrührenden Besuch des Abgeordneten Ryan, durch welchen immer mehr seiner Anhänger sein „Paradies“ verlassen wollten, begann Jones den Leuten zu drohen, würden sie auch nur versuchen wegzugehen, stünde ihnen die Todesstrafe bevor. Leo Ryan wurde von einigen fanatischen Jonestown-Anhängern am Flughafen erschossen, ebenso ein paar seiner mitgereisten Journalisten.
Trotz dieser Aktionen hatte Jones noch sehr treue Anhänger, jedoch stellte er ihre Loyalität immer wieder in den sogenannten „White Night's“ in Frage. Er übte mit ihnen regelmäßig den bevorstehenden Massenselbstmord mit vermeintlich vergifteter Limonade.
Am 11. 11. 1978, dem Tag des Geschehens, wurde unter den Bewohnern ein Gemisch aus Valium und Cyankali verteilt, dieses brachte innerhalb weniger Minuten den Tod. Eltern flößten das Toxin zuerst ihren Babys und Kindern ein und nachdem sie diese sterben gesehen hatten, nahmen sie sich selbst damit das Leben. All jene, die den selbstherbeigeführten Tod verweigerten, wurden mit Schüssen getötet. Von seinen geschätzten 1100 Anhängern starben 910, darunter mindesten 270 Kinder. Jim Jones wurde tot mit einer Schusswunde im Kopf aufgefunden.

Jonestown – Untergang einer Sekte - Bild James Warren Jones, der Gründer der „People‘s Temple“ und Verantwortlicher für den Tod von über 900 Personen

Jonestown – Untergang einer Sekte - Bild Bei dem größten Massensuicid in der Geschichte starben 910 Personen, darunter auch 270 Kinder