Die edu.card
von Bernhard Goldnagl„Vielseitig, klein und sicher“ – So wird die edu.card, ein neuartiger elektronischer Schülerausweis, auf der Infoseite des Unterrichtsministeriums beworben. Inwiefern stellt nun ein solcher Ausweis tatsächlich eine Bereicherung für unseren Schulalltag dar?
Vielseitig
ist sie auf jeden Fall, da sie immerhin sogar Funktionen erfüllen soll, die für Schülerausweise eigentlich nicht vonnöten sind, beispielsweise die Quickzahlung für das Buffet, den Kopierer und sogar Einrichtungen abseits der Schule. Außerdem soll sie den Zugang zu personalisierten Lernplattformen und elektronischen Lernmaterialien ermöglichen.Klein
Die edu.card passt mit den Abmessungen im Scheckkartenformat in jede Geldbörse. Äußerlich sichtbar sollen auf der Karte neben dem Namen des Schülers, seinem Geburtsdatum und Lichtbild der Name und die Adresse der besuchten Schule sowie die Dauer der Gültigkeit des Ausweises sein.
Sicher
Sicherheit im Bezug auf Datenschutz kann die edu.card nur begrenzt bieten. Wenn nicht nur der Zahlungsverkehr innerhalb der Schule, sondern auch Informationen bezüglich der Schülerfreifahrt und Zutrittsgenehmigungen in EDV-Säle oder Sporthalle auf der Karte gespeichert werden, kann allerdings gar nicht mehr, wie im Flyer versprochen, von Datenschutz für die Betroffenen die Rede sein. Laut dieser Aussendung bewegen sich die Schüler/innen im System weitgehend anonym. Das heißt also, im angesprochenen System werden (kaum) Spuren hinterlassen, die Dritten Informationen über die Bewegungen des Schülers preisgeben.Ganz nach Gehrer
In den vom Ministerium veröffentlichten Richtlinien zur Benutzung der edu.card finden sich einige optional aktivierbare Funktionen der edu.card, die kurz davor stehen, den Schüler nun vollends gläsern zu machen: Es können z. B. die Leistungsbeurteilungen und Lernerfolge eines Schülers darauf gespeichert werden, eine Applikation, die in beängstigender Weise an Elisabeth Gehrers Bildungsevidenz erinnert. Weiters ist eine „WeiterbildungsCard“ vorgesehen, die nach der Matura jeden Volkshochschulkurs und jedes Seminar nachweist, um genau über die (Aus-)Bildung eines Menschen Bescheid zu wissen. Außerdem kann durch eine weitere Applikation die Anwesenheit eines Schülers in der Schule mittels edu.card überprüft werden. Diese elektronischen Daten können dann (nicht nur) von den Eltern zu Hause, wahrscheinlich via Internet, abgerufen werden, was einen massiven Eingriff in die Privatsphäre des Schülers darstellt.Finanzielle Hindernisse
Natürlich spielt auch Geld eine Rolle: Um sämtliche Funktionen der edu.card in der Schule nutzen zu können, wären erhebliche logistische Änderungen notwendig. Die Andockstationen an den betroffenen Bereichen in der Schule müssten erworben werden, ebenso von den Busunternehmen bezüglich der Schülerfreifahrtsfunktion, und nicht zuletzt die Quick-Terminals an Automaten und Buffet. Es stellt sich die Frage, ob das Budget der Schule eine solche Umrüstung verkraftet.
Selbst wenn vordergründig nur nebensächliche Bereiche des Schulalltags von der Einführung der edu.card behelligt sind, kann man sich fragen, inwiefern sie denn notwendig ist, und ob die Schüler mit dieser Karte nicht eher den Schwarzen Peter ziehen.









