Die Malediven
von Florian Steindl„Bis zum Jahr 2100 wird der Meeresspiegel weltweit um 59 Zentimeter ansteigen“ – laut UNO-Prognose. Eine Hiobsbotschaft für die Republik Malediven – liegt der höchste Punkt des Inselstaates doch nur 2,4 Meter über dem Meeresspiegel. Auch sonst sieht es auf der Inselgruppe im Indischen Ozean alles andere als rosig aus.
Der drohende Untergang
„Die Welt geht unter“ – ein Ausdruck, der bei uns unachtsam als Terminus für schlechtes Wetter benutzt wird, hat auf der Republik Malediven eine ernstere Bedeutung. Denn infolge der weltweiten Erhöhung des Meeresspiegels versinkt der Inselstaat mit der Zeit immer tiefer in den Fluten des Indischen Ozeans – in etwa hundert Jahren wird auf den insgesamt 19 Inselgruppen der Republik der Platz knapp werden.Ins gelobte Land
Schon im Jahre 2004 erkannte die Regierung den Ernst der Lage, als die Republik von dem Tsunami im Indischen Ozean versehrt wurde. Nachdem am 28. Oktober 2008 Mohamed Nasheed zum neuen Präsidenten gewählt wurde und dieser am 10. November vereidigt wurde, kündigen sich nun Reaktionen auf den bevorstehenden Untergang an: In einem weltweit wohl einmaligen Programm soll jedes Jahr ein gewisser Prozentsatz des Staatshaushaltes abgezweigt werden. Vor dem Hintergrund des steigenden Meeresspiegels soll dieser Staatsfond rechtzeitig für den Erwerb eines Ausweichlandes aufgewendet werden. Im Gespräch stehen derzeit Teile von Indien, Sri Lanka oder Australien. Gegenüber der britischen „Guardian“ sagte Nasheed: „Wir können den Klimawandel nicht selbst stoppen, also müssen wir woanders Land kaufen“Arm
Damit sieht sich das Land nicht gerade vor eine leichte Aufgabe gestellt: Die Malediven gehören zu den ärmsten Ländern der Welt, das Bruttosozialprodukt pro Einwohner beträgt gerade einmal 2.700 US-Dollar pro Jahr. 42% der Bevölkerung lebt mit weniger als 1,17 Dollar pro Tag. Obwohl der Tourismus viele zu Millionären gemacht hat, verarmt der Großteil der Bevölkerung. Im Juli 2008 betrug die Inflation 48%. Aufgrund der zentralitischen Infrastruktur gibt es wenige Apotheken und kaum Krankenhäuser, bei chirurgischen Operationen ziehen wohlhabende Malediver die Behandlung in Indien vor.Tourismus
30 Prozent des gesamten BIPs der Malediven kommen vom Tourismus, insgesamt sind 70 Prozent der maledivischen Wirtschaft mit dem Tourismus verbrämt. Zu den Suchworten „Malediven, Urlaub“ findet Google 290.000 Einträge. Auf privaten Inseln werden viele der besten Hotels der Welt betrieben. Die breite Bevölkerung profitiert kaum von diesen riesigen Einnahmen aus dem Tourismus, die oberen Zehntausend dafür umso mehr.Umweltbewusstsein
Nach außen hin ist der Klimaschutz ein wichtiges Anliegen – Delegationen werden zu vielen Klimaschutzkonferenzen geschickt. In Wirklichkeit wird Umwelt- und vor allem Klimaschutz auf den Malediven nicht gerade groß geschrieben – verwundernd eigentlich, bedenkt man, dass der Inselstaat seinen Untergang dem Klimawandel zu verdanken hat.Diktatur
An der prekären Situation der Bevölkerung ist nicht zuletzt die Politik schuld: Bis 1998 war Opposition de facto verboten, der frühere Präsident Maumoon Abdul Gayoom beherrschte mit seiner Partei, der DRP, das Land. Die Malediven sind eine Präsidialrepublik: Der Präsident hat erheblichen Einfluss, er übt das Amt des Präsidenten, des Regierungschefs und des Verteidigungsministers aus, bis 2006 war er darüber hinaus Finanzminister. Eine Gewaltenteilung gibt es nicht, denn der Präsident hat auch den Befehl über Polizei, Armee, Küstenwache, Feuerwehr und Justiz. Alle fünf Jahre wählt das Volk mit einer Mehrheit einen von zwei Kandidaten zum Präsidenten.Rede- und Meinungsfreiheit sind eingeschränkt, Religionsfreiheit gibt es nicht, auf dem Weltverfolgungsindex belegen die Malediven den 4. Platz.
Im Juli 2003 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht über Menschenrechtsverletzungen unter dem Regime von Gayoom, dieser versprach Reformen, die niemals umgesetzt wurden. 2004 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, hunderte Demonstranten gegen das Regime verschwanden in Gefängnissen. Auch unliebsame Politiker, religiöse Anführer und Künstler wurden weggesperrt.









