Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

Pellets statt Putin

von Florian Steindl

In einer Zeit von Gasengepässen und Ölkartellen hat sich unsere Redaktion gedacht, dass unsere einzige Alternative in den Pellets liegt. Also machten wir uns auf die Suche nach eben diesen und fanden sie auch sofort.

Als wir mit einer Wagenladung voll Pellets unterwegs waren, bemerkten wir, wie unser Kraftstoffvorrat zur Neige ging. Notgedrungen machten wir einen Zwischenstopp bei der nächstbesten Tankstelle. Der Tankwart kam uns mit verheultem Gesicht entgegengestürzt und bejammerte, dass alle Benzin- und Dieseltanks völlig und unwiderruflich leer seien. Was nun?
Nach kurzer Krisensitzung im warmen Auto fiel es uns wie Pellets von den Augen: Die Lösung lag im Kofferraum. Mit vereinten Kräften begannen wir damit den Tank des Autos mit den eigentlich zum Heizen gedachten Holzpellets wieder aufzufüllen. Unter den verwunderten Blicken und den rot-verweinten Augen des Tankwarts stiegen wir wieder ins Auto ein und setzten unsere Fahrt hoffnungsvoll fort. Der Motor rannte rund und schien sich gut an die neue Energiequelle gewöhnt zu haben. Es ging zwar etwas langsamer dahin als mit herkömmlichem Brennstoff, aber nach dem Motto „Bleib am Leben, geh vom Gas Pellet“ machte uns das nichts aus. Aus dem Auspuff kamen auch keine Abgase, sondern wir zogen nur eine dünne Spur aus unverbrannten Pellets hinter uns her. Wir waren von dem neuen Kraftstoff hellauf begeistert!
Unser Ziel war das Krankenhaus, um unsere Freundin abzuholen und mit ihr das Pelletometer in Wien zu besuchen. Doch mit Erstaunen stellten wir fest: Ihre Schläfe zierte eine genähte Platzwunde, obwohl doch eigentlich ihr Blinddarm operiert werden hätte sollen!
Bevor wir uns noch weiter wundern konnten, was denn hier passiert wäre, hörten wir einen dumpfen Schlag aus dem Nebenzimmer. Erschrocken liefen wir auf den Gang und stürzten in besagtes Zimmer. Stand doch tatsächlich der Anästhesist mit einem oberschenkeldicken Holzbrikett über die Patientin gebeugt da und drosch auf ihren Schädel ein. Er grollte dumpf: „Mit Lachgas war das ganze einfacher! Aber seit wir kein Gas mehr geliefert bekommen, gibt’s die Holznarkose…“ Der Umstieg von Gas auf Pellets schien sich also nicht überall so einfach zu gestalten wie bei uns…
Bestürzt machten wir uns auf den Weg nach unten, um uns im Krankenhausbistro erst einmal einen starken Kaffee zu holen und ein wenig in der Zeitung Cosmopellitan zu blättern. Durchsagen schallten aus den Lautsprechern durch die Empfangshalle: „Doktor, wir haben einen Feuerwehrmann mit Rauchpelletvergiftung auf dem Hubschrauberlandeplatz!“
Ein paar Kinder tollten mit Ballons an uns vorbei. Merkwürdigerweise schienen diese Ballons irgendwie viel schwerer zu sein als normal – die Kinder schleiften sie auf dem Boden hinter sich her –, und sahen auch ganz verschrumpelt aus. Wir fragten einen der Kleinen, was denn mit seinem Gasballon geschehen sei. Er sah uns mit großen Augen an und brachte ein „Pellets statt Putin“ hervor. Uns war klar: Als das Gas, mit dem Ballons gefüllt werden, um sie zum Schweben zu bringen, zu Ende gegangen war, hatten die Krankenschwestern die Ballons der Kinder eben mit Pellets gefüllt.
Und als wir bemerkten, dass am Nebentisch gerade ein Pensionist verzweifelt versuchte seine Zigarette mit einem Holzpellet statt mit dem Gasfeuerzeug zu entzünden, wunderte uns das auch nicht mehr...

Pellets statt Putin - Bild