Die Priesterbruderschaft des St. Pius X
von Philipp WagnerAm 30. Juni 1988 wurde Richard Williamson mit drei anderen Priestern durch den Gründer der Priesterbruderschaft St. Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre, Bischof Antônio de Castro Mayer zum Bischof geweiht. Der damalige Papst Johannes Paul II war gegen diese Weihe und alle sechs wurden exkommuniziert.
Am 21. Januar 2009 wurde die Exkommunikation der vier damals geweihten Bischöfe unter Papst Benedikt XVI. aufgehoben, was sofort von vielen Glaubensgemeinschaften, darunter die Juden und die evangelische Kirche, kritisiert wurde, da Richard Williamson, den Holocaust leugnete.Benedikts Vorgänger bemühten sich um einen außerordentlichen Dialog mit der jüdischen Glaubensgemeinschaft, weshalb der aktuelle Papst damit konfrontiert wird, dass er den Antisemitismus in der katholischen Kirche wieder in Schwung bringt und das zerstöre, was seine Vorgänger in Sachen Glaubensdialog geleistet hatten. Zwar kann ein Geistlicher nicht durch so genannte „weltliche Belange“ exkommuniziert werden, jedoch wird der Druck auf die römisch-katholische Kirche von außen immer stärker und eine erneute Exkommunikation wird gefordert.
Vater der 1970 gegründeten Priesterbruderschaft mit traditioneller Richtung war Marcel Lefebvre.
Im Jahr 1975 begann ein offener Konflikt zwischen dem Vatikan und dieser Glaubensgemeinschaft, da Lefebvre gewisse Punkte des zweiten vatikanischen Konzils nicht billigte. Bekannt wurde er besonders durch seine strikte Ablehnung der Liturgieform. Vor allem kritisierte er die protestantischen Tendenzen, die diese neue Form des Gottesdienstes aufwies. Durch unerlaubte Priesterweihen wurde Lefebvre von Papst Paul VI 1976 von seinen Ämtern suspendiert und nach der unerlaubte Weihe von vier Bischöfen 1988 exkommuniziert.
Bis heute wird der Traditionsbegriff, den die Piusbruderschaft vorlebt, als irrtümlich bezeichnet.
Die Gemeinschaft weist sich weiters durch einen Kampf gegen die Freimaurerei aus, da ihrer Meinung nach diese Vereinigung einen satanischen Hintergrund hat. Als Beispiel wird immer wieder der ehemalige US-Präsident und aktuelles Mitglied einer Freimaurerloge George Bush genannt, der auf der einen Seite die Verantwortung für den Irakkrieg trug.
Dass George Bush zu Audienzen mit dem Papst geladen war, interpretierten Mitglieder der Piusbruderschaft als Annäherung der katholischen Kirche zu Satan.
Anfang dieses Jahres wurde die Exkommunikation von Richard Williamson und den anderen drei Bischöfen, die illegal zum Bischof geweiht wurden, aufgehoben. Doch mit der Aufhebung wurde die antisemitistische Seite dieses Bischofs sichtbar.
Er leugnet den Holocaust und glaubt, er hätte Beweise, dass es keine Gaskammern gegeben hat. Von Seiten des Vatikans wurde berichtet, dass man nichts von dessen Einstellung wisse, was Williamson verneinte, da er 2000 zu einem Essen mit Kardinal Darío Castrillon Hoyos, welcher maßgeblich an der Aufhebung seiner Exkommunikation beteiligt war, geladen war, wobei auch solche Fragen diskutiert wurden.
Im Jahr 2000 behauptete Williamson, in 2000 Jahren hätten die Juden nichts unversucht gelassen, um die katholische Kirche zu unterwandern und Christus aus dem Christentum zu entfernen. 2001 äußerte er unter anderem seine Ansicht, Mädchen bzw. Frauen sollten nicht an Universitäten studieren dürfen. Im Dezember 2008 warnte Williamson öffentlich vor der drohenden Sklaverei der Menschen durch allgegenwärtige Lügen.
Nun hat die Staatsanwaltschaft Regensburg ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet.
Das Thema der Reaktivierung der Priesterbruderschaft wurde jahrelang von einer erzkonservativen Zeitung mit dem Namen „Der 13.“ herbeigesehnt.
Diese Zeitung besteht zum größten Teil aus konservativ-christlichen, politisch rechts gerichteten Leserbriefen und den dazu passenden Artikeln.
Die zunehmende Islamisierung, die freimaurerische Zerstörung der Kirche, die Reaktivierung des ehemaligen Bischofs Kurt Krenn und wie zuvor genannt die Interpretation einer politischen Nationalkirche und Liturgie, wie sie von der Piusbruderschaft vorgelebt wird, wird thematisiert. Diese Zeitung zeichnet sich durch fehlende Objektivität aus und gilt als traditionalistisch.
Das Thema um die Aufhebung dieser vier Exkommunikationen wird sicherlich noch lange besprochen, da der Meinung vieler Experten nach die römisch-katholische Kirche einen großen Schritt rückwärts macht, was vermehrt zu Kirchenaustritten führen wird. Weiters droht der Dialog zwischen anderen christlichen Kirchen zu zerbrechen und ein weiterer Schritt in Richtung „rassistische Kirche“ könnte folgen.
Nun muss der Vatikan handeln, da das Potential zu einer weiteren Kirchenspaltung gegeben ist.









