Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

links, rechts, links, rechts,...

von Bernadette Redl

In einer Demokratie, wie wir sie heute kennen, haben wir gelernt, die politischen Richtungen in eine rechte und in eine linke Schublade zu stecken. Aber was heißt das eigentlich?

Die politische Einstellung wird in unserer heutigen Gesellschaft in links und rechts eingeteilt. Obwohl sich 52 Prozent der Menschen selbst in der Mitte dieser Achse anordnen würden, wird jedoch auch klar unterschieden, wie weit von der Mitte entfernt man sich befindet und vor allem von welcher Richtung aus auf die Mitte zugesteuert wird.
Sowohl politische Parteien selbst als auch die Medien verwenden diese Einteilungen häufig, oft auch um eine Tatsache zu klischieren. Bei näherer Betrachtung dieser Vorgangsweise werden aber auch etliche Unzulänglichkeiten aufgeworfen und es wird klar, dass diese Aufteilung in der heutigen Politik eher fehl am Platz ist.
Bei der Politik der heutigen Stunde geht es um Erfahrung, Geschick und der Loyalität gegenüber dem Wähler. Allgemeine ideologische Grundsätze zu verfolgen ist hier nicht angebracht. Politik wird außerdem am praktischsten regional und für bestimmte Regionen oder Einkommensschichten betrieben und so ist es oft nicht möglich, diese auf eine gesamte Bevölkerung auszulegen.  
Im deutschsprachigen Raum hat es sich häufig eingebürgert, den Begriff rechts im Sinne von rechtsradikal oder rechtsextrem zu verwenden. Daher bezeichnen sich normalerweise nur radikale und extreme Gruppierungen selbst als rechts. Das bürgerlich-konservative Lager, das sich den ursprünglichen Definitionen zufolge eigentlich rechts einordnen müsste, bevorzugt daher die Selbstbeschreibung „Mitte“. Der Ausdruck „links“ wird hingegen von kommunistischen und sozialistischen sowie auch von sozialdemokratischen und grünen Parteien und Gruppierungen als Eigenbezeichnung verwendet.
Zur ersten Unterscheidung nach „Linken“ und „Rechten“ kam es auf der Sitzordnung der Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung ab dem Jahre 1789. Dort war der traditionell „ehrenvollere“ Sitz rechts vom Parlamentspräsidenten dem Adel vorbehalten, so dass das Bürgertum links saß. Von Frankreich aus breitete sich die Links-Rechts-Unterscheidung nach ganz Europa aus.

Verwendung in den politischen Strömungen

Konservativ-bürgerliche Parteien bezeichnen sich selbst, wie schon erwähnt, nur sehr selten als rechts. Als links bezeichnen sie nur, eher abwertend, politische Gegner.
Sozialdemokratische Parteien bezeichnen sich auch eher selten als links, um eine breitere Wählermasse anzusprechen.
Liberale Parteien lassen sich aufgrund ihres Willens zur Eigenbestimmung des Individuums nicht als links oder rechts einordnen.
Sozialistische Parteien ordnen sich gerne und oft als links ein.
Die Grünen galten in vielen westlichen Ländern als eindeutig links oder links-liberal, da sie aus der Umwelt- und Friedensbewegung entstanden sind. In einigen Ländern gibt es heute aber auch Grüne, die sich eher konservativ oder sogar rechtsextrem platzieren.
Eine Reihung politischer Strömungen von links nach rechts, wäre folgender Maßen: kommunistisch-anarchistisch-sozialistisch-sozialdemokratisch-liberal-religiös (im westlichen Kulturkreis meist christlich)-konservativ-traditionalistisch-monarchistisch-ständisch-nationalistisch-nationalsozialistisch-faschistisch-separatistisch.

links, rechts, links, rechts,... - Bild Die Meinung des österreichischen Schriftstellers Ernst Jandl zum Thema "Politisches Spektrum"