Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

Revanche

von Tobias Renk

Vor einem Jahr war es der Film „Die Fälscher“, der Österreich seit langem wieder einmal einen Oscar ins Land brachte. Und auch heuer gab es wieder die Chance, den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film in österreichischen Händen zu halten. Der Film „Revanche“ von Götz Spielmann war einer von fünf Filmen in dieser Kategorie. Meiner Meinung nach hätte dieser Film einen Oscar verdient.

Inhalt

Es ist Herbst in Österreich. Praktisch spielen zwei parallele Handlungen. Einerseits lebt ein alter Mann auf einem Bauernhof nicht weit weg von Wien. Ein paar Häuser davon entfernt befindet sich eine Kauffrau, Susanne, verheiratet mit einem Polizisten. Sie führen ein gutes Leben, besitzen ein großes, schönes, gepflegtes Haus, doch es fehlt etwas: ein Kind.
Andererseits sieht man die Stadt Wien und vor allem das Nachtleben. Ziemlich rasch erfährt man über das wirkliche Leben der Prostitution und bekommt dessen schreckliche Behandlung und deren Leben im „Puff“ zu Gesicht. Konecny, der Besitzer des Bordells „Cinderrella“, macht vor allem der Prostituierten Tamara, die aus der Ukraine stammt, Druck. Alex, der Sohn des Bauers, arbeitet für den Besitzer und hat ein heimliches Verhältnis mit Tamara. Er weiß wie schlecht es dieser geht und möchte gerne ein neues Leben in einem anderen Land beginnen, doch dazu fehlt beiden das Geld.
Daher beschließt er eine Bank auszurauben. Unglücklicherweise kommt ein Polizist, also Robert, der Mann der Kauffrau, zum Auto und stellt Tamara ein paar Fragen. Die Situation spitzt sich zu und Alex muss sozusagen Robert bedrohen. Schnell hüpft er ins Auto und fährt davon. Robert gelingt es noch zu schießen, doch er trifft statt den Reifen durch die Scheibe des Autos direkt auf Tamara. Erst etwas später im Wald wird Alex bewusst, was da geschehen ist. Man sieht im seine Verzweiflung an und nun ist es seine Aufgabe, alle Spuren zu verwischen. Er beschließt für seinen Vater, den so genannten Hausner, die Holzarbeit zu erledigen und eine Zeit lang bei ihm zu bleiben. Während dem Aufenthalt am Hof lernt er Susanne, die den Hausner regelmäßig besucht, kennen und erfährt ziemlich bald, dass es ihr Mann war, der Tamara erschossen hat und somit auch sein Leben zerstört hat. Susanne erkennt bald Alexs Zustand und lädt ihn zu sich ein. Ihr Mann, Robert, ist einige Nächte nicht zu Hause, da er viele Probleme wegen dem „Mord“ and Tamara hat. Sein Leben  hat sich genauso verändert wie das von Alex.
Schließlich wird er sogar vom Dienst wegen psychologischer Probleme freigelassen.
In den Nächten, wo Robert außer Haus ist, hatten Alex und Susanne mehrere Male Sex. Sie will jedoch keinesfalls, dass ihr Mann etwas davon erfährt.
Alex geht öfters zum Teich nachdenken und trifft dabei immer wieder auf Robert, der täglich seine Runde zum Teich und wieder zurück joggt. Doch die beiden wissen nicht, was sie eigentlich alles verbindet.
Eines Nachts schildert Robert seiner Frau seine Gefühle und Situation und zeigt ihr nebenbei noch ein Bild von der Frau, die er „getötet“ hat.
Ein anderer Tag. Wieder treffen sich Alex und Robert am Teich, doch diesmal nehmen sie beiden an der Bank Platz und wechseln ein paar wichtige Worte. Alex fragt unauffällig nach dem Vorfall und ob Robert denn keine Angst davor habe, dass sich der Bankräuber vielleicht wegen dem Mord an seiner Geliebten rächen könnte. Robert antwortet, dass es ihm egal sei, ob er ihn schlussendlich erschießen würde. Doch er würde ihm noch eine Frage stellen. Nämlich, warum er diese Frau überhaupt zu einem Banküberfall mitgenommen hat.
Am nächsten Tag besucht ihn Susanne und sagt Alex, dass sie nicht mehr so weitermachen können, da sie es nicht mehr will, was ihn nicht gerade zu stören scheint. Dann sieht sie jedoch das Foto von Tamara am Tisch liegen und ihr wird alles klar. Sie fragt Alex, ob er derjenige war, der die Bank überfallen hat. Er gesteht, und sagt ihr, er werde so lange am Hof bleiben, bis ihm die Polizei auf die Spur kommt. Der Film endet mit einer Szene, an einem weiteren Herbsttag, an dem Alex Äpfel einsammelt.

Kritik und Analyse

„Revanche“ ist sicherlich keiner von den Filmen, die man sich einmal ansieht und dann nie mehr darüber nachdenkt. Götz Spielmann verarbeitet in diesem Film einerseits die Schattenseiten des Menschen und andererseits, wie der Titel schon sagt, die Rache.
Am Beginn scheint der Film etwas seltsam, doch allmählich lernt man Alex und Tamara näher kennen, deren Hintergründe und deren Lebensweise. Daher vermute ich, dass Spielmann im ersten Teil des Films besonders auf die Behandlung der Prostituierten Wert legt, denn es gibt sie in ganz Österreich und traurig aber wahr: sie sind nichts anderes als Sklavinnen. Deren grausame Behandlung, die im Film zu sehen ist, ist sicher nicht weit von der Realität entfernt oder sogar wahrheitsgetreu. Auch die Verzweiflung der Prostituierten wird ganz klar gezeigt, was am Beispiel Tamara sehr deutlich zu sehen ist.
Und nun zum eigentlichen Hauptmotiv, der Rache: Was ist schlimmer als ein Leben ohne Geld, ein Leben als Prostituierte, als Sklave, als seinen Traum nicht leben zu können, als wichtige Menschen zu verlieren? Egal was für Probleme es gibt, es fällt einem Menschen immer schwer, damit umzugehen. Alexs und Tamaras Situation ist besonders tragisch. Es stellt sich die Frage: „Kann man das Leben überhaupt noch genießen, wenn man jemanden  auf dem Gewissen hat?“ Wahrscheinlich kaum. Zu dem Ganzen noch seine Geliebte, wahrscheinlich das einzige, was ihm noch Freude am Leben gab, zu verlieren, ist sicherlich eines der schlechtesten Dinge, die passieren hätten können.
Und man merkt auch, dass Alex seit Tamaras Tod ein anderer Mensch ist. Er spricht nur mehr wenig, ist wütend,… und beschließt schließlich Rache zu nehmen. Doch gibt es da einen großen Gegner: Sein Gewissen. Er traut sich nicht, Robert zu erschießen als er die Möglichkeit dazu hat. Er wollte mit Rache für Gerechtigkeit sorgen und seinem Gewissen einreden, dass dann wieder alles in Ordnung sei, doch dass man danach noch einen Menschen auf dem Gewissen hat, ist kaum mehr zu verkraften. Doch mit der Zeit hängt man da sozusagen drinnen und hört vielleicht nie wieder auf, wie zum Beispiel bei einer Sucht.
Dann ist da noch Roberts Leben. Er hat einen Menschen, wegen „fahrlässiger Tötung“ auf dem Gewissen, obwohl keine Absicht dahinter war. Ihm wird jedoch sofort der Prozess gemacht, doch andere Verbrecher und Mörder werden vielleicht nie entdeckt. Hier kann man sich auch fragen: „Ist das noch fair?“ Warum sollte nicht Robert auch Rache nehmen? Er steckt in einer genauso zur Rache verleitenden Situation wie Alex, doch er ist ein viel zu gutmütiger und sensibler Mensch, um sich an Alex zu rächen. In seinem Fall spiegelt sich die Ungerechtigkeit im menschlichen Leben ebenfalls wieder. Er bringt sogar Alex mit der Frage, die er dem Bankräuber noch stellen würde, noch zum Nachdenken und zur Einsicht, dass eigentlich er Schuld hat.
Auch seine Frau Susanne ist ein wenig mit dem Thema Revanche konfrontiert, denn sie hat mit einem Verbrecher geschlafen und daher ihren Mann betrogen, muss damit leben können, hat jedoch erst am Ende die Wahrheit über dessen Geschichte erfahren.
Ein weiteres wichtiges Detail ist, das während des ganzen Films keine einzige Filmmusik zu hören ist, bis auf den Hausner, der manchmal Akkordeon spielt. Dennoch bleibt die Spannung erhalten. Außerdem wird anstatt der Musik sehr auf die Geräusche der Natur, auf das teilweise typisch Österreichische, Wert gelegt. Oft sieht man eine Minute lang nur den Wald oder Alex bei der Holzarbeit und hört dabei die Heuschrecken im Gras, die Vögel zwitschern,….. Das habe ich in noch keinen anderen Film gesehen, doch es ist bemerkenswert.

Meinung

„Revanche“ ist ein bewegender, mitreißender, tiefgründiger Film, der meiner Meinung nach den Oscar wahrlich verdient hätte. Ich habe den Film sehr genossen und werde ihn mir noch einige Male ansehen.
Götz Spielmann hat viel Thematik in zwei Stunden verpackt und lässt diese sehr gut zum Ausdruck kommen. Außerdem hat mich die Natur sehr begeistert und besonders interessant für mich war zu erfahren, dass Teile des Films im Waldviertel, also von der Gföhler Gegend bis nach Ottenschalg, gedreht wurden. Ich habe gar nicht gewusst, dass es gelingen kann in dieser Gegend so viele schöne Naturaufnahmen zu machen.
Ich empfehle diesen Film also besonders jedem weiter, der keine Scheu vor nackter Haut hat und den die Thematik „Rache“ interessiert. Er ist zwar nicht actionreich und es sind keine Spezialeffekte vorhanden, was für viele heute leider sehr wichtig ist, doch ganz sicher ein gutes Stück österreichischer Film.