Crowds? Die kenn ich doch!
von Rosa KainzMittlerweile brodelt die Gerüchteküche, denn keiner weiß, was es mit den mysteriösen Figuren auf sich hat, welche von Zwettl bis Gmünd ihr Unwesen treiben. Eigentlich sind diese Crowds, wie sie sich selbst nennen, ganz friedliche Gestalten.
Seit einiger Zeit werden Zwettl und auch einige andere periphere Dörfer von sonderbaren Gestalten heimgesucht. Die in den Farben Gelb, Rot, Blau und Violett gedruckten Sticker mit den kuriosen Motiven sind wohl an so mancher Grübelei der Einheimischen des Bezirk Zwettls schuld. Der Umstand, dass sie jedoch nicht nur in Kleinformat überall erscheinen, sondern auch in Lebensgröße, macht die ganze Sache natürlich noch unheimlicher. Die „Viecha“, wie sie von manchen liebevoll bezeichnet werden, brachten in kürzester Zeit die Gerüchteküche zum Brodeln. Die Vermutungen reichten vom Zeitvertreib gelangweilter Studenten, bis zu der Idee, dass diese Gestalten das Merkmal einer linksradikalen Jugendbewegung seien. Oder auch die gewagte Behauptung, dass sich überall, wo sich eines der penetranten Sticker befand, nachts ein Drogenring von Untergrundgestalten ihren pietätlosen Süchten Befriedigung erteilten, verwurzelte sich in den phantasievollen Gedanken manch besorgter Eltern.
Doch diese von Grund auf harmlosen Gestalten sind doch schon vollwertige Mitglieder in der Zwettler Gemeinschaft geworden. Warum auch nicht? Sie begegnen einem nicht nur in der Stadt beim Einkaufen oder morgens in der Schule, sondern sie lächeln dem Passanten auch von Straßenlaternen entgegen. Sogar beim Fortgehen sind sie anzutreffen, egal ob im Fliegenden Holländer oder am „Brain Smash“ beim Schindler in Gerweis. Die Jugendlichen, die diesem Phänomen schon länger auf die Schliche kommen wollten, haben mit Sicherheit bemerkt, dass diese Kartonfiguren überall dort auftauchen, wo sich ein alternativer Kreis versammelt hat und dementsprechend euphorische Stimmung herrscht.
Aber wer sind SIE nun? Im Kreise der Eingeweihten werden sie als Götter bezeichnet und ihrem erhabenen Rang in der Hierarchie gebührend verehrt. Mittlerweile schwirrt auch schon ein kurzes Video im Internet umher, welches tiefe Einblicke in die Geschichte der Crowds erlaubt. Waren sie anfangs doch nur eine Illusion in den ausschweifenden Gedanken einer Gruppe engagierter Jugendlicher, so nehmen sie in diesem Video nach und nach Gestalt an und beweisen somit ein weiteres Mal, dass aus einer „dummen Idee“ ein richtiger Glaube entstehen kann.
Es hat auch ein jeder die Chance einmal in die Figur seines Lieblingsgottes zu schlüpfen und diesem dabei zu helfen, die richtigen Accessoires für ihr Traumfestival zu packen, ohne sich dabei von seinem Computer zu entfernen! Ermöglicht haben es die Crowds mit einem kleinen, benutzerfreundlichen Flash-Game auf ihrer Homepage.
Kassio, der rote Gott der Laute, Mestat, der blaue Gott der Begeisterung, Paya, die violette Göttin des Genusses, und natürlich der gelbe Lichtgott Mero. Dieses alternative Quartett hat es sich zum gemeinsamen Ziel gemacht, ein von ihnen sehnlichst begehrtes Festival zu suchen, welches all ihre Eigenschaften widerspiegelt. Aus diesem Grund irren sie seit April durch das Waldviertel und hoffen, dass sie auf die Sorte Menschen treffen, die ihnen ein derartig vollkommenes Festival bieten kann. Da sie jedoch aus einer anderen Welt stammen, die sich von unserer drastisch unterscheidet, fällt ihnen die Orientierung in unserem bewaldeten Heimatland sichtlich schwer. Sie verlaufen sich ständig und sind aus diesem Grund überall präsent. Doch wer könnte sie von ihren Tantalos-Qualen befreien?
Das Schicksal erbarmte sich ihrer, sie hatten unverhofftes Glück. Bei einem engagierten Jugendverein schnappten sie Informationen über ein in der direkten Umgebung stattfindendes Festival auf, deren Bandaufkommen ganz ihrem Geschmack zu entsprechen schien. Das Rock den Park Festival war das Stichwort, bei dem sich ihre göttlichen Ohren spitzten. Endlich schien ihre lange Reise beendet, ein Ziel in Sicht.
Ihr einziges Problem ist und bleibt jedoch ihre Verwirrung, die dieses unergründete Land mit sich bringt. Sie können den Dornröschenpark in Groß Gerungs einfach nicht finden. Es bleibt zu hoffen, dass sie auf genügend Leute mit exquisitem Musikgeschmack treffen werden, die ihnen bei ihrer komplizierten Suche behilflich sein können. Denn was sie an ihrem Ziel erwartet, lockt nicht nur die Crowds an: Für die musikalische Untermalung der besonderen Art sorgen nämlich Russkaja, Rainer von Vielen, Gasmac Gilmore, Nachlader uvm. Bis dahin werden Paya, Mero, Mestat und Kassio wohl noch durch Gassen, Straßen und Lokale schleichen. Außerdem werden sie sich des öfteren in diversen Clubs und bei Openair Events blicken lassen, wo sie sie die Stimmung aufheizen und richtig abfeiern werden. Natürlich nicht zu vergessen: Immer auf der Suche nach dem Topevent im Sommer nehmen sie Informationen und Tipps von aufgeschlossenen, interessierten Jugendlichen gern entgegen. Vielleicht wirst du der Nächste sein, der sich der verwirrten Göttergruppe erbarmt und mit ihnen nach Groß Gerungs pilgert. Dort kann dann jeder einzelne alle vier Gottheiten vereint bestaunen, untermalt mit außergewöhnlich guter Musik, Spaß und einer einzigartigen Stimmung, für die die Crowds selbstverständlich sorgen werden. Sie würden wohl auch ihrem Titel als Götter kaum gerecht werden, wenn sie das täten! Nicht nur, dass sie die ersten anbetungswürdigen Religionsoberhäupter sind, die unsre Welt je gesehen hat, sondern die Crowds werden durch ihr omnipräsentes und mysteriöses Auftreten auch jedem einzelnen in durchaus positiver Erinnerung bleiben und den allgemeinen Erwartungen gerecht werden.
Bis dorthin bleibt ihnen noch einiges an Zeit, Gott sei Dank – also wohl besser: Crowds sei Dank - ist das Festival erst Mitte August.
Nähre Infos: www.rockdenpark.at









