Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

Freiheitsheldin hinter Gittern

von Sophia Holzmann

Oppositionsheldin Suu Kyi wurde ins Gefängnis in Ragun überstellt. Kurz vor Ablaufen ihres jahrelangen Hausarrests.

Am Donnerstag, den 14. Mai 2009, wurde Burmas Oppositionschefin Aung San Suu Kyi in das berüchtigte „Insein-Gefängnis“ der Hauptstadt Rangun gebracht. Zuvor war sie von der Militärjunta sechs Jahre in ihrem Haus kaserniert worden ohne ein Recht, jeglichen Kontakt zu anderen Personen aufzunehmen.
Warum ihr jener Hausarrest auferlegt wurde? Dieser Beschluss ist jene Panikreaktion des Militärs nach Kyis massivem Wahlsieg im Jahre 1990. Aufgrund ihres Einsatzes für ein Ende der Militärdiktatur bewunderten Millionen Menschen sie als Hoffnungsträgerin für den Frieden in einer geordneten Demokratie. Gegen die Ausübung jener angekündeten Regierungsform wussten sich ihre Gegner zu helfen. Indem sie das eindeutige Wahlergebnis manipulierten, gelang es ihnen, ihr den Sieg abzuerkennen. Nicht genug damit! Um sicherzustellen, dass ihnen die Freiheitskämpferin nicht weiter im Weg stehen wird, beharrten sie auf strikten Hausarrest. Suu Kyi bestand auf ihren gebührenden Sieg, erhielt ein Jahr später, 1991, den Friedensnobelpreis, konnte sich aber dennoch nicht erfolgreich gegen das Regime wehren. In ihrer Villa in Rangun verbrachte sie seither 6 Jahre beinahe völlig isoliert von der Außenwelt. Augrund des schlechten Gesundheitszustands erhielt die mittlerweile 63-Jährige in den letzten Tagen regelmäßig Behandlungsbesuche ihres Arztes, der sich nun ebenfalls in Haft befindet.
Dieser war aber nicht der einzige, der kürzlich um ihr Anwesen gesichtet wurde. Am 3. Mai, etwa 3 Wochen vor dem Ablaufen des Arrests (27.5), drang der als „wirr“ beschriebene Amerikaner, John William Yettaw, zu ihrer Villa vor. Der 53-Jährige schwamm mit Hilfe von selbst gebastelten Flossen und einer Plastikflasche über den umliegenden See zu Aung San Suu Kyis Villa an der University Avenue in Rangun. Angeblich soll „the lady“, wie sie von ihren Anhängern auch genannt wird, dem verwirrten US-Bürger befohlen haben, das Grundstück zu verlassen. Obwohl ihr die Folgen eines Besuches durchaus bewusst waren und sie diese zu vermeiden versuchte, gelang ihr dennoch nicht, den Eindringling zu vertreiben. Dieser täuschte Krämpfe und Anfälle vor, womit es Suu Kyi unmöglich war, den Mann fortzuschicken. Daraufhin verbrachte der ungebetene Gast 2 weitere Nächte in ihrem Haus.
(Im Vorjahr probierte der Amerikaner schon einmal, Suu Kyi gegen ihre Zustimmung zu besuchen, was ihm damals aber nicht gelang.)
Ob jener nun von der Junta beauftragt war, das zu tun, oder er den Besuch aus eigenen Beweggründen abstattete, bleibt offen. Was sich aber als fraglos herausstellt, ist die Tatsache, dass dieser Vorfall Burmas Generälen zweifelsohne äußerst gelegen kam. Wäre doch das Zittern und die Angst vor der Konkurrenz am 27. Mai, nach der Aufhebung des Arrests, von vorne losgegangen. Die von ihr gegründete NLD (=Nationale Liga für Demokratie) hat trotz des jahrelangen Ausschlusses aus der Öffentlichkeit nicht an Popularität verloren. Das hat man bei der Militärjunta natürlich auch nicht vergessen, was die Angst vor einer erneuten Niederlage bei den Wahlen im nächsten Jahr verstärkte. Da kam dieser Zwischenfall ja beinahe wie gerufen. Wenige Tage nach dem dubiosen Besuch des nicht minder dubiosen Amerikaners forderte man die Friedensnobelpreisträgerin auf, ihr Sachen zu packen, mit der Ankündigung, sie würde ihr Haus eine Weile nicht zu Gesicht bekommen. Daraufhin überstellte man die Kämpferin für Gerechtigkeit und Frieden in ein Gefängnis, das den Verhältnissen in Zuchthäusern ähnelt. Durch den im Eilverfahren abgewickelten Prozess wurde es möglich, die Politologin für weitere Jahre aus der Öffentlichkeit auszuschließen. Die Anklagepunkte lauten „Verletzung gegen das Sicherheitsgesetz und Verletzung des Hausarrestes“. Schon merkwürdig, dass für den ungewollten Besuch eines fragwürdigen Mannes, dem es mühevoll gelang, zu Kyis „Privatfestung“ vorzudringen, die „Zwangsbeglückte“ selbst die Folgen zu tragen hat.

Freiheitsheldin hinter Gittern - Bild Suu Kyi, für Millionen von Menschen die Hoffnung für ein freies Burma.