Impressionismus
von Rosa KainzVon 11. September 2009 bis 10. Jänner 2010 wird in der Albertina in Wien unter dem Titel „Impressionismus - Wie das Licht auf die Leinwand kam“ eine der in Frankreich wesentlichsten Kunstepochen ausgestellt. Diese Ausstellung enthält 170 Exponate der impressionistischen und postimpressionistischen Malerei.
Amateure denken bei dem Wort Impressionismus sofort an die wohl bekanntesten Protagonisten dieser Kulturepoche, nämlich an Vincent van Gogh und Claude Monet. Diejenigen, die sich jedoch schon etwas mehr mit dem Vorläufer der Modernen und Abstrakten Kunst beschäftigt haben, sind mit Sicherheit auch die Namen Pissarro, Rénoir oder wohl auch Morisot nicht ganz fremd.
Kurz bevor der Impressionismus aufkam, herrschte in Frankreich ein striktes System der Kunstinstitutionen, die bei jährlich stattfindenden offiziellen Salonausstellungen über die zukünftigen Wege der Künstler entschieden. Dementsprechend war kaum Platz für Neurungen oder Abweichungen. Aus diesem Anlass formierte sich eine kleine Gruppe unabhängiger Künstler, die ihre erste Ausstellung am 15. April 1884 eröffnete. Der Name Impressionismus stammt jedoch nicht von den Künstlern, sondern beruht auf einem nachträglich auf den Titel „Impression, soleil levant“ getauften Gemälde von Monet, der diesem den prägenden Begriff erst auf Nachfrage verlieh. Die Künstler der damaligen Zeitepoche weigerten sich jedoch, den Titel der „Impressionisten“ anzuerkennen, da eine „Impression“ in erster Linie als eine gängige Bezeichnung für Grundierung oder einen einfachen Anstrich wie zum Beispiel von Wänden galt. Ungeachtet dessen wurde der Begriff von Kunstkritikern und Journalisten mehrmals verwendet und damit die ungeliebte Titulierung in der Öffentlichkeit zementiert.
Stilbeschreibung
Die diversen Charakteristika dieses einzigartigen Stils beruhen auf dem primären Gestaltungsmittel Farbe, folglich treten zeichnerische Elemente in den Hintergrund. Des Weiteren malten die Künstler meistens „pleinair“, also unter freiem Himmel, und direkt vor dem Motiv. Diese Tatsache lässt sich durch ein sich auch bei der Exposition befindendes Gemälde von Gustave Caillebotte mit dem Namen „Trocknende Wäsche am Ufer der Seine“ untermauern, da auf diesem Werk eine vermutlich vom Wind verwehte Pappelknospe als Indiz für die unmittelbare Präsenz der Leinwand vor dem Motiv gefunden wurde.
Die Maler setzten die Betonung vor allem auf die Wirkungsweise des natürlichen Lichts und malten ihre Bilder in skizzenhafter Darstellung, die auch oftmals ausgeschnitten wirken. Die Pinselstriche sind mit freiem Auge leicht zu erkennen und wurden in nass-in-nass Technik aufgetragen, die die typischen weichen Konturen und fließenden Übergänge ermöglicht.
Eine weitere Möglichkeit zum Auftragen der Farbe war die pointilistische Weise, das heißt punktartig, die jedoch teilweise relativ infantil wirkt und dem Postimpressionisten zugeordnet wird.
Die Auswahl der Motive war sehr breit gefächert, hohe Popularität erlang die Natur, die jedem Bild einen einzigartigen Charakter verleiht.
Malutensilien
Zur damaligen Zeit konnten die Maler sich schon an einem unübertroffenen Angebot an Malutensilien erfreuen, unter anderem auch an heute noch üblichen gebrauchsfertigen Malfarben, damals Azofarbstoff oder Teerfarbe aus Tuben, die für einen längeren Aufenthalt in der Natur von hohem praktischen Wert waren.
Ein bei der Ausstellung in der Albertina dargebotenes Modell zeigt die chronologische Entwicklung und Übersicht der wichtigsten Farbmittel, die damals zur Verfügung standen. Man kann verfolgen, dass durch etwaige chemische Reaktionen ein immer farbenprächtigeres Sortiment entstand.
Als bevorzugte Maloberfläche der Impressionisten entpuppte sich die Leinwand, da sie durch die Erfindung mechanischer Webstühle preiswerter geworden war und auch eine Vielfalt von verschiedenen Bildgrößen darbot, wodurch höhere Mobilität gegeben war.
Im 19. Jahrhundert waren alle Maluntergründe, ob Leinwand, Holztafel oder Malmappe, gebrauchsfertig vorbehandelt im Laden erhältlich. Die Vorbehandlung bestand meist aus bezeichneten Isolierschichten und dem Auftrag einer oder mehrerer farbähnlicher Schichten, die einer Grundierung glich, für den Ausgleich von Unebenheiten des Bildträgers dient und für eine gute Verbindung zwischen Träger und Farbschichten sorgte.
Pinsel wurden in den ersten Dekaden des 19. Jahrhunderts noch vorzugsweise mit Haar- oder Borstenbüscheln gefertigt, welche entweder an Federkielen befestigt oder mit Zwirn am Schaft umwickelt waren. Die Einführung der Metallzwinge ermöglichte, dass Pinsel nicht nur rund, sondern auch flach gebunden werden konnten. Heute zeugen viele Bilder der Impressionisten von der Bravour der Malerei, die ohne diese flach gebundenen Borsten nicht möglich gewesen wäre.
In der Albertina zur Schau gestellte Werke
Der wohl am öftesten mit Impressionismus assoziierte Maler war Vincent van Gogh, dessen Stil dem Postimpressionismus zugeordnet wird. Er übte starken Einfluss auf nachfolgende Künstler aus und gilt als Begründer der modernen Kunst. Bei der Ausstellung in der Albertina sucht man allerdings vergebens nach einer seiner Arbeiten, vermutlich da seinem Werk von 864 Gemälden und über 1.000 Zeichnungen wohl eher eine eigene Exposition angemessen wäre.
Wendet man sich jedoch auch den anderen Werken zu, ist die große Anzahl an Schöpfungen von niemand wenigerem als dem klassischen Impressionisten Claude Monet kaum zu übersehen. Wie schon erwähnt, prägte er mit seinem Gemälde „Impression, soleil levant“, zu Deutsch „Impression, Sonnenaufgang“, die Titulierung dieser künstlerischen Epoche.
Er beschäftigte sich in seinen späten Jahren hauptsächlich mit der Anlage und Gestaltung seines auch noch heute zum Besichtigen freigestellten Gartens in Giverny, der mit seinem Seerosenteich häufig als Motiv für Monets Gemälde diente.
Weiters erwähnenswert ist das von ihm stammende Bild „Seineufer bei Port-Villez“, neben dem ein zweites, scheinbar identisches, Gemälde hängt. Eine Gegenüberstellung dieser beiden Werke war bislang nicht möglich, deshalb gab es auch an der Echtheit jedes einzelnen keine Zweifel. Erst der Monetexperte John House machte mit seinem Kennerblick zum ersten Mal auf stilistische Ungereimtheiten, wie eine für Monet untypische Art des Farbauftrags, der Auswahl, Harmonie, Schattierung und Zusammensetzung verschiedener Farben, bei einem der Bilder aufmerksam. Nach weiteren Untersuchungen konnte Monet als Schöpfer des Bildes mit höchster Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Es wurde jedoch bewiesen, dass die Geschichte des Bildes nahe an die Lebzeiten Monets heranreichte, wodurch vermutet wird, dass der Fälscher das Motiv für seine Kopie möglicherweise sogar direkt vor sich hatte.
Weiters kann man in der Ausstellung Werke Renoirs, unter anderem ein Gemälde des Ehepaars Sisley, finden. Auch er zählte zu den Ikonen des Impressionismus und porträtierte unter Anderem seinen eigenen Sohn Jean Renoir beim Nähen. Das weibliche Geschlecht ist mit der Künstlerin Berthe Morisot vertreten, deren Bilder auch zur allgemeinen Ergötzung freistehen. Zu den weiteren in der Albertina ausgestellten Heroen zählt Camille Pissarro, gefolgt von einer der wenigen Neoimpressionisten wie Paul Signac und Georges Seurat, allesamt begleitet von diversen Einzelgängern wie Paul Cézanne und demschon erwähnte Vincent van Gogh.









