Frisches Blut und alte Hasen
von Theresa MikeschRoman Polanski und Vampire: Das sind zwei Begriffe, die eine Einheit bilden. Denn seit die Dreharbeiten für den Film "Tanz der Vampire" 1966 begannen, sind die Vampire aus Polanskis Leben nicht mehr wegzudenken. Nun feiert das gleichnamige Musical, für das Roman Polanski vor 12 Jahren selbst die Regie führte, ein Comeback im Wiener Ronacher.
Das Kult-Musical „Tanz der Vampire“ wurde nach der Vorlage des 1967 erschienenen gleichnamigen Films von Michael Kunze (Lyrics) und dem „Wagner des Rock“ Jim Steinman (Musik) geschrieben. Inszeniert wurde es von Roman Polanski, der auch schon bei den Dreharbeiten zum Film Regie führte und außerdem die den Alfred, eine der Hauptrollen, verkörperte. In „Tanz der Vampire“ kann man einige von Jim Steinmans früheren Werken finden. Das wohl bekannteste von diesen ist „Total Eclipse of the Heart“, das, von Bonnie Tyler interpretiert, 1983 die Hitparaden stürmte. Dieses Lied erscheint in dem Vampirmusical unter dem Titel „Totale Finsternis“. Steinman recycelte auch den Soundtrack zu dem Actionfilm „Straßen in Flammen“, genannt „Tonight is what it means to be young“, für das Finale seines Musicals. Steinmans und Polanskis Ziel war es, in ihrem gemeinsamen Musical Altes mit Neuem zu verbinden. So gebrauchte Steinman für seine Songs einerseits den Stil einer Operette, andererseits fügte er der Musik auch einen gewaltigen Schuss Rock hinzu. Die Mischung von Altem und Neuem spiegelt sich auch in den Kostümen der britischen Kostümbildnerin Sue Blane wider. Diesen Kleiderstil, eine Mischung von Barock und Punk, setzte sie schon erfolgreich sowohl im Film, als auch im Musical „Rocky Horror Picture Show“ ein. Der Choreograph Dennis Callahan trieb mit seiner oft mit ruckartigen Bewegungen versehenen Choreographie die Tänzer und Tänzerinnen zu Höchstleistungen. Vor allem bei den Liedern „Carpe Noctem“, „Tanz der Vampire“ und „Die roten Stiefel“ wird diese besonders gefordert. All diese Leute gaben ihr Bestes, um die Forderungen des Publikums zu erfüllen. Eine Umfrage hatte nämlich ergeben, dass sich die Zuseher von dem Musical „Tanz der Vampire“ sowohl Mystik, Erotik und Liebe, als auch Spannung, Leid und etwas zum Gruseln erwarteten. Und genau das ist ihnen gelungen.
Inhalt
Abronsius, ein Professor, der danach strebt, die Existenz von Vampiren zu beweisen und diese zu erforschen, kommt zusammen mit seinem jungen Assistenten Alfred mitten in der Einöde Rumäniens in ein Gasthaus. In diesem gibt es bald das erste Vampiropfer zu beklagen, den Vater der jungen und schönen Sarah, in die sich Alfred gleich bei der ersten Begegnung verliebt. Diese wird vom Grafen, dem Obersten aller Vampire, persönlich zu einem Ball auf dessen Schloss eingeladen. Abronsius und Alfred, die die Einladung belauscht haben, beschließen, Sarah zu retten. Zu ihrem Erstaunen lädt Graf von Krolock sie als Gäste auf sein Schloss ein. Dort versuchen die zwei Wissenschaftler, den Grafen unschädlich zu machen, doch ohne Erfolg. Noch dazu kann Alfred Sarah nicht überreden, mit ihm zu fliehen. Dazu kommt noch, dass Herbert, der schwule Sohn des Grafen, versucht, Alfred zu verführen.
Auf dem großen Ball wird Sarah vom Grafen gebissen. Abronsius und Alfred werden zwar auf diesem Ball enttarnt, doch gelingt es ihnen, mit Sarah zu fliehen. Als Alfred sich sicher glaubt, gesteht er Sarah seine Liebe. Doch diese ist schon längst zum Vampir geworden und kann dem Blut Alfreds nicht widerstehen. Die Vampire sind sich durch die drei Ausreißer sicher, dass sich ihre Brut nun über die ganze Welt ausbreiten wird und laden in ihrer Freude darüber zum Tanz.
Unterschied: 1997 – 2009
Wenn man die Leute über die Produktion „Tanz der Vampire“ aus dem Jahre 2009 befragt, wird man auf sehr unterschiedliche Meinungen treffen. Die, die das Musical bereits 1997 gesehen haben, werden etwas enttäuscht von der Neuaufnahme sein. Doch die, die das Stück zum ersten Mal sehen, werden von der 2009er Version schwärmen. Gründe für diesen enormen Meinungsunterschied gibt es viele. Einer der Hauptgründe ist die Besetzung des Grafen von Krolock. 1997 verkörperte diesen der unvergleichliche Steve Barton (1954 – 2001), der 1998 für diese Rolle sogar einen IMAGE (International Musical Award Germany) verliehen bekam. Niemand, der die Rolle des Grafen spielte, konnte je an seine Ausstrahlung, seine dämonische, und doch anziehende Erscheinung oder an seine atemberaubende Stimme herankommen. Aber auch Thomas Borchert fand zu seiner eigenen Interpretation und fesselt nun als neuer Graf die Zuschauer in Wien.
Ein weiterer Grund sind die Kulissen. Da die Bühne des Ronachers sehr viel weniger Raum bietet als die des Raimund Theaters, in dem die Produktion 1997 lief, musste die Kulissenkonstruktion minimiert werden. So wurde zum Beispiel die beeindruckend große Wendeltreppe einfach gestrichen.
Dezimiert wurde aber auch das Ensemble: Gab es 1997 noch 40 Ensemble-Mitglieder, so gibt es heute nicht einmal mehr die Hälfte davon, was die Dynamik des Gesangs, aber auch den Eindruck der Tanzsequenzen enorm reduziert.
Es gibt jedoch auch einige positive Neuerungen. Die Gestalten in den Portraits, die im Schloss des Grafen von Krolock hängen, bewegen sich und verfolgen das ganze Geschehen mit, ähnlich wie bei Harry Potter.
Außerdem ist die Spiegelsequenz verbessert worden, in der Alfred und der Professor als Vampire enttarnt werden (Vampire haben ja bekanntlich kein Spiegelbild).
Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im wirklichen Leben, sind Marjan Shaki und Lukas Perman ein Liebespaar. So sind sie für die Rollen Sarah und Alfred wie geschaffen und zählen zu den wenigen Akteuren, die mit ihren „Vorgängern“ mithalten können.
Besonders hervorzuheben ist die beeindruckende Choreographie des Liedes „Die roten Stiefel“. Dieses instrumentale Werk wird nun von mehr Tänzern als in der Produktion 1997 getanzt. Und das mit Erfolg, da die Paare eine enorme Vielfalt an beeindruckenden Hebefiguren zeigen.
Nur einer ist unverändert geblieben. Der Darsteller des Professor Abronsius, Gernot Kranner. Dieser, auch von den Medien hochgelobte Darsteller des schrulligen Professors, ist und bleibt der Höhepunkt der Performance. Denn er versteht es unnachahmlich in atemberaubender Geschwindigkeit zahllose Silben auszusprechen und den Charakter des Abronsius durch seine überzeugende Körpersprache zu verdeutlichen.
Meinung
Das Musical „Tanz der Vampire“ ist faszinierend und fesselnd vom Anfang bis zum Ende. Auch wenn im oberen Abschnitt die Kritik groß erscheint, kann ich dieses Stück nicht nur den eingefleischten Musicalfans empfehlen, sondern auch denen, die mit dem Genre des Musicals noch wenig zu tun hatten. Fest steht, dass „Tanz der Vampire“ einen bleibenden Eindruck bei den Zuschauern hinterlässt.
Ich habe vier Produktionen gesehen und habe festgestellt, dass mir persönlich die erste Fassung aus dem Jahre 1997 am besten gefällt. Für mich ist der Grund dafür klar! Polanski führte damals Regie. Auch wenn man sich Interviews mit den damaligen Schauspielern anhört, wird man deutlich erkennen, wie sehr sie alle von Polanski schwärmen. Dass dieser, nicht nur in Wien, sondern auch auf der ganzen Welt hoch angesehene Künstler, jetzt wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen, die 32 Jahre zurückliegt, an die USA ausgeliefert werden soll, kommt überraschend. Vor allem die Diskrepanz, dass ihn die Medien bei der Premiere am 16. September in den Himmel erhoben und ihn dann, nur wenige Tage später verteufelten, ist erstaunlich.









