Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

Der Austritt aus der Kirche

von Annalena Goldnagl

Laut eines Berichts des ORF vom 13.1.09 haben 40.596 Personen 2008 der Kirche den Rücken gekehrt. 2007 waren lediglich 36.858 Kirchenaustritte gezählt worden, was bedeutet, dass sich die Zahl der Kirchenaustritte um 10.1% gesteigert hat.

Als Gründe für ein solches Minus können folgende genannt werden: Viele, vor allem junge Menschen, können sich nicht mehr mit den Vorstellungen und Wünschen der Kirche identifizieren, da diese veraltet und konservativ sind. Das ist besonders im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen der Fall, denn die Kirche wehrt sich noch immer vehement gegen Abtreibung, Empfängnisverhütung, Kondome, die doch die einzige Möglichkeit sind, sich vor Aids und anderen Geschlechtskrankheiten zu schützen, und gegen die Heirat von Homosexuellen. Klaus Küng etwa hält eine Hochzeit Gleichgeschlechtlicher für „weder angebracht, noch notwendig“, er spricht sogar von einem „Fehler“. Er meint, dass die bestehenden zivilrechtlichen Bestimmungen "gleichgeschlechtlich orientierten Personen die nötigen Sicherheiten" gewähren würden, und homosexuellen Paaren Rechte zu übertragen, wie sie in Ehen bestehen, sei "ein falscher Weg, der zur Desorientierung beiträgt". Weiters spricht sich der so genannte „Familien-Bischof“ noch ausdrücklich gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare aus.
Dies erweckt den Eindruck, als würde sich die Kirche nicht, wie alles andere sonst, mit der Zeit bewegen, sondern als sei sie in ihrer Entwicklung stecken geblieben und würde sich nicht ändern wollen.
 
Ein weiterer, häufig genannter Grund für den Kirchenaustritt ist die heftig umstrittene Kirchensteuer, die sich aus dem Bruttoeinkommen des Kirchenmitglieds berechnet. Grundsätzlich muss man 1,1% seines Einkommens der Kirche überlassen, wobei es aber spezielle Abzüge für Sonderfälle, sowie Steuerreduktionen für Senioren, Kinder, Alleinverdiener usw. gibt. Kirchenmitglieder weigern sich nicht nur, den Beitrag zu zahlen, weil sie für viele Menschen, trotz Abzügen zu hoch ist, sondern vor allem, weil man teilweise nicht weiß, oder nicht damit einverstanden ist, wofür er verwendet wird. Das wäre aber durchaus interessant, da die österreichische Katholische Kirche, laut „FINANZonline“ jährlich 357 Millionen Euro allein durch die Kirchensteuer verdient.
Der Austritt aus der Kirche ist oft die Folge einer Abmeldung vom Religionsunterricht, die immer häufiger auftritt. Ich habe einige Schüler unseres Gymnasiums nach ihren Gründen für die Abmeldung befragt:
Vermehrt wurde genannt, dass die Themen des Unterrichts langweilig seien, was aber keineswegs auf Schülerfaulheit, und somit darauf hinweist, dass sich Schüler so und so von jedem Fach abmelden würden, von dem es möglich wäre. Stattdessen könnte man diese Formulierung so verstehen, dass eine Reform des Religionsunterrichts gewünscht wird, damit er vielleicht weniger auf kirchlicher Basis stattfindet, sondern eher wie eine Art Ethikunterricht, der den Schülern die Probleme und Gefahren unserer Zeit näher bringt und sie auf ihr eigenständiges Leben nach der Schule vorbereitet. Seit 1997 besteht für österreichische Schulen die Möglichkeit, Ethik als alternatives Fach neben Religion anzubieten, wovon ich persönlich, und ich denke, ich spreche für viele andere, noch nichts bemerkt habe.
Als weiterer Grund wurden die „engstirnigen und veralteten Ansichten“ der Katholischen Kirche genannt. Denn wer hat zum Beispiel Lust, noch länger den Religionsunterricht zu besuchen, wenn eine der Aufgabenstellungen lautet, die Frage zu beanworten, warum gläubige Menschen manchmal nicht besser als ungläubige seien? Sind nicht alle Menschen von Grund auf gleich?
Abschließend möchte ich eine kleine Prognose für die Zukunft abgeben: Aller Voraussicht nach wird die Anzahl der Kirchenaustritte kontinuierlich weitersteigen, da die Kirche an ihren Ansichten, Vorstellungen und Meinungen voraussichtlich in naher Zukunft nichts ändern wird. Außerdem gibt es bis jetzt kaum ernstzunehmende Handlungen der Kirche gegen diese Entwicklung, es sei denn, man sieht den Brief, den jeder, der der Kirche den Rücken kehrt, zugeschickt bekommt, als wirkungsvolle Maßnahme.

Der Austritt aus der Kirche - Bild