Aktuelle Ausgabe
Nr. 18

Friedensnobelpreis für Obama

von Andreas Kugler

Sollten es manche noch nicht mitbekommen haben: Barack Obama, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hat den Friedensnobelpreis erhalten. Eine große Überraschung für viele, kaum einer hat damit gerechnet. Aber warum bekam er diese Auszeichnung eigentlich, wie ist das Komitee zu dieser Entscheidung gekommen und ist der Entschluss überhaupt gerechtfertigt oder sind es doch nur Vorschusslorbeeren?

Im Wahlkampf zu den Präsidentschaftswahlen von den Republikanern sarkastisch als „neuer Messias“ bezeichnet, von vielen Menschen geliebt und bejubelt, von anderen verachtet und angefeindet, setzte Obama in seinem Wahlkampf auf ein wirksames Mittel, um die Massen auf seine Seite zu bewegen: Er versprach sehr vieles von dem zu ändern, was seine Vorgänger, besonders natürlich George W. Bush, so alles an „Schlechtem“ durchgesetzt oder erreicht hatten. Eines der großen Ziele ist die Schließung des berüchtigten Gefangenenlagers Guantanamo, der Abzug der Truppen aus dem Nahen Osten oder eine Krankenversicherung für alle. Zum Ersten ist zu sagen: So sehr sich auch unzählige Menschen gegen dieses Gefängnis aussprechen, bislang wurde die Schließung nur hinausgezögert, obgleich es auch einige Verbesserungen gegeben hat (Angeklagte dürfen nun zum Prozess in die USA einreisen). Das nächste sind die Soldaten im Nahen Osten, hier verspricht er einen Abzug der Truppen bis Ende August 2010. Hört sich gut an, es sollen aber 50.000 Mann als Ausbilder stationiert bleiben. Und dann noch die Krankenversicherung: Gibt es bislang nur Privatversicherungen, so soll es nun, wie zum Beispiel in Österreich, eine staatliche geben. Das große Problem ist nur, dass dem Staat das Geld fehlt, außerdem sind auch zahlreiche Menschen, natürlich vor allem die Reichen, gegen diese neue Regelung.
Ich will hier auf keinen Fall Barack Obama schlecht machen, denn er hat ohne Zweifel schon sehr viel erreicht, innenpolitisch wie auch außenpolitisch. Er hat es in seiner noch kurzen Amtszeit geschafft, dass  viele Menschen auf der ganzen Welt wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben. Das Problem ist nur, dass er seine Hauptziele noch nicht vollständig umgesetzt hat, was heftige Kontroversen mit sich zieht.

Zurück zum eigentlichen Thema des Artikels: Für den diesjährigen Friedensnobelpreis nominiert waren 172 Einzelpersonen und 33 Organisationen, übrigens ein neuer Rekord, darunter auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy oder der irische Rockstar Bono (er wurde schon öfters nominiert, ihm werden aber nie hohe Chancen zugestanden). Vor der Vergabe des Preises hatten „nach Einschätzung von Experten die prominenten Nominierten keine sonderlich großen Chancen auf den Preis.“ Aber warum hat er die Auszeichnung dann doch erhalten? Das norwegische Nobelpreiskomitee begründete ihre Entscheidung so: Der Preis geht an Barack Obama für „dessen außergewöhnliche Bemühungen zur Stärkung der internationalen Diplomatie und um Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Besondere Bedeutung hat das Komitee Obamas Vision und Arbeit für eine Welt ohne Atomwaffen beigemessen.“ Das klingt ja sehr lobenswert, aber eine Vision bleibt eine Vision und solange diese nicht vollständig umgesetzt wird, bleibt sie auch eine solche. Sollte nicht auch hier das Ergebnis zählen, wie bei den anderen Nobelpreisen? Es kann jeder kommen und sagen „Ich werde ein Heilmittel für AIDS finden!“ Wird diesem auch prompt der Medizinnobelpreis verliehen? Hierzu möchte ich zwei Beispiele anführen: Der diesjährige Nobelpreis für Medizin ging an drei Wissenschaftler für die Entdeckung der Chromosomenenden, genannt Telomere und deren Enzyme. Den haben sie auch durchaus verdient, nur haben sie schon vor circa 20 Jahren diese Erforschung getätigt und erst jetzt wurde ihnen diese Auszeichnung zugestanden. Ein noch krasseres Beispiel ist Mahatma Gandhi. Trotz seiner Leistungen im Kampf um die Unabhängigkeit Indiens, welche auch 1947 eintrat, wurde er nicht damit ausgezeichnet. Man wollte ihm diesen Preis eigentlich 1948 zugestehen, er wurde aber kurz zuvor ermordet und deshalb konnte ihm der Preis nicht mehr verliehen werden, sagt man heute. Man hätte ihn aber auch durchaus schon früher für seine Verdienste damit auszeichnen können.

Sehr interessant waren auch die diversen Reaktionen auf die Vergabe. Zunächst ist die Reaktion  von Obama selbst sehr interessant, denn sein erstes Statement lautete: „Ich bin überrascht und zutiefst demütig“. Auch erklärte er, dass er nicht glaube, dass er diesen Preis verdiene, er sei nicht würdig in die Liste der Preisträger aufgenommen zu werden. Und den Preis betrachte er nicht als Bestätigung für Erreichtes, sondern als eine Herausforderung. Einer seiner „Konkurrenten“ bei der Vergabe des Friedensnobelpreises, Nicolas Sarkozy, sagte, dass diese Ehrung „die Rückkehr Amerikas in die Herzen der Völker“ bedeute. Bundespräsident Heinz Fischer gratulierte Obama zu dieser Auszeichnung in einem Schreiben mit den Worten, dass dieser Preis als „Ausdruck der Unterstützung Ihrer Bemühungen, sich den globalen Herausforderungen zu stellen" zu sehen sei. Michail Gorbatschow, der selbst 1990 diese Auszeichnung erhalten hat, begrüßte die Entscheidung mit den Worten: "Sie sind eine würdige Ergänzung in unserer Familie der Nobelpreisträger." Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass es auch scharfe Kritik gegeben hat. Besonders stark von der Taliban in Afghanistan. In einer Wortmeldung dazu heißt es, dass er besser einen Nobelpreis für Gewalt erhalten solle. Es sei absurd, dass die Auszeichnung an einen Mann gehe, der zusätzlich 21.000 Mann nach Afghanistan schicke, um den Krieg eskalieren zu lassen. Er sei sogar einen Schritt weiter als sein Vorgänger Bush gegangen. Die US-Amerikaner selbst sind geteilter Meinung, so meint ein Befragter: „Sie hätten etwas warten sollen.“ oder auch „Was hat Obama eigentlich erreicht?“. Die süddeutsche Zeitung formulierte es so, dass das Nobelpreiskomitee dem „Messias-Wahn“ erlegen sei und ihm deshalb „jegliche Urteilskraft abhanden gekommen ist”.  

Egal, welchen Preis man verleiht, ob Oscar oder ähnliches, es gibt immer zwei Gruppen, eine ist für die Entscheidung, die andere dagegen. So auch bei bei der Vergabe des Friedensnobelpreises. Ich selbst bin der Meinung, dass die Entscheidung verfrüht ist, auch wenn er schon viel für sein Land und die Welt getan hat, aber wie Barack Obama selbst gesagt hat, ich glaube auch nicht, dass er schon würdig ist, in die Liste der Preisträger wie Nelson Mandela oder der Dalai Lama aufgenommen zu werden.

Friedensnobelpreis für Obama - Bild Barack Obama: der Mann, der so vielen Hoffnung machte.

Friedensnobelpreis für Obama - Bild Ob sich der 1896 verstorbene Alfred Nobel auch für Barack Obama entschieden hätte, werden wir wohl nie erfahren.